leonard56_Dursun AydemirAnadolu Agency via Getty Images_eucoronavirusflagsunity Dursun Aydemir/Anadolu Agency via Getty Images

Europas Selbsthilfemoment

BERLIN – Als COVID-19 über Europa hereinbrach und Millionen von Menschen ins innere Exil zwang, überkam viele ein tiefes Gefühl der Einsamkeit. Dabei ging es nicht nur um den Wunsch, Freunde und Familie wiederzusehen, sondern auch um ein allgemeineres Gefühl, dass das ganze Land angesichts der globalen Pandemie hilflos und verlassen war. Dieses Gefühl der Ablehnung wirkt sich zutiefst auf die individuelle Psyche und Weltanschauung der Bürger Europas aus.

Das ist das wichtigste Ergebnis einer kürzlich vom Europäischen Rat für Außenbeziehungen (ECFR) durchgeführten Befragung unter 11.000 Menschen in neun europäischen Ländern - Bulgarien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, Polen, Portugal, Spanien und Schweden - die zusammen zwei Drittel der EU-Bevölkerung ausmachen. Paradoxerweise zeigt die ECFR-Umfrage, dass die fehlende Hilfe der Europäischen Union für die Mitgliedstaaten in der ersten Phase der Krise zu einer überwältigenden Befürwortung konzertierter EU-Maßnahmen geführt hat - sowohl um den Ländern bei der Erholung von der Krise zu helfen als auch um sie für das Überleben in der Welt nach der Pandemie zu rüsten.

Die Umfrage des ECFR zeigt, dass sich die Europäer während der Krise von den EU-Institutionen, multilateralen Organisationen und den engsten Partnern Europas völlig im Stich gelassen gefühlt haben. Etwa 63 Prozent der Befragten in Italien und 61 Prozent in Frankreich sagten, dass die EU der Herausforderung der Pandemie nicht gewachsen sei.

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