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Die wirtschaftliche Lage der Frauen

BERKELEY – Trotz einer tiefen Rezession im Jahr 2008 und einer langsamen Erholung danach waren die ersten zwei Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts in den meisten Industrieländern insgesamt eine Zeit des wirtschaftlichen Fortschritts. Das reale (inflationsbereinigte) Pro-Kopf-BIP in der OECD wuchs zwischen 2000 und 2018 jährlich im Schnitt um 1,15 Prozent. Das Beschäftigungsniveau stieg stetig an und erreichte in einigen Ländern Rekordhöhen.

Dieser wachsende Wohlstand war jedoch nicht gleichmäßig verteilt. Das reale durchschnittliche Lohnwachstum gestaltete sich in diesem Zeitraum deutlich langsamer als zwischen 1995 und 2000 und das reale Medianlohnwachstum verlief noch langsamer. Die Arbeitsverhältnisse wurden unsicherer und die Armutsquoten stiegen (auch nach Steuern und Transferzahlungen). Zwar verringerten sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei Beschäftigung und Löhnen, sie blieben jedoch in hohem Maß bestehen und Frauen standen als Arbeitnehmerinnen, Verbraucherinnen und Sparerinnen weiterhin vor besonderen Herausforderungen.

Man führe sich die Bilanz der Arbeitnehmerinnen vor Augen. Die Gesamtbeschäftigung lag  Anfang 2020 (vor der COVID-19-Pandemie) in 22 fortgeschrittenen Volkswirtschaften auf einem Rekordhoch. Im Jahr 2018 gab es 45 Millionen mehr Arbeitsplätze als im Jahr 2000, und rund zwei Drittel davon entfielen auf Frauen. Die Erwerbsquote der Frauen stieg in der gesamten OECD, mit Ausnahme von Norwegen - wo sie bereits überdurchschnittlich hoch war - und der Vereinigten Staaten, wo sie von 60 Prozent im Jahr 2000 auf 57 Prozent im Jahr 2018 sank. Ein Vergleich der Beschäftigungsentwicklung bei Frauen in Europa und den USA zeigt, dass Verbesserungen des bezahlten Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaubs in Europa zu einer höheren Erwerbsbeteiligung von Frauen geführt haben, wohingegen sich der Anstieg der weiblichen Erwerbsbeteiligung in den USA zurückhaltend gestaltet, weil es in vielen Bundesstaten derartige politische Strategien nicht gibt.

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