rpersaud17_Dan KitwoodGetty Images_johnson resigns Carl Court/Getty Images

Das Ende von Boris Johnsons Illusion

LONDON: „Verzweifelter, wahnhafter Premier klammert sich an die Macht“, hieß es am 7. Juli 2022 auf der Titelseite der Printausgabe der britischen Tageszeitung The Guardian. Doch lässt sich das bizarre Verhalten des britischen Premierministers Boris Johnson wirklich auf psychische Probleme zurückführen?

Derart oberflächliche Behauptungen sind in der heutigen Medienlandschaft nur allzu häufig. Im Falle Johnsons ist es schwer, einen Artikel zu finden, der keine psychiatrische Diagnose irgendeiner Art enthält. Wenn überhaupt geht es darum, welche konkrete emotionale Krankheit er zeigt, und nicht, ob es eine andere psychologische Erklärung für seine surrealen Mätzchen gibt.

Nach einer beispiellosen Rücktrittswelle unter seinen Ministern in dieser Woche musste man Johnson die Schlüssel zu Nr. 10 Downing Street beinahe aus der Hand zerren, so starrsinnig weigerte er sich, die offensichtliche Logik seiner Situation zu akzeptieren. Noch in seiner Rede, in der er schließlich seinen Rücktritt verkündete, gab er einem „Herdeninstinkt“ unter Parteikollegen die Schuld für seinen Sturz und nannte es „exzentrisch“, zum gegenwärtigen Zeitpunkt den Regierungschef auszutauschen.

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