rogoff242_Umit Turhan CoskunNurPhoto via Getty Images_turkey economy Umit Turhan Coskun/NurPhoto via Getty Images

Die erstaunliche Resilienz der Schwellenmärkte

CAMBRIDGE – Als sich Finanzminister und Zentralbanker vom 9. bis 15. Oktober in Marrakesch zur Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank einfanden, sahen sie sich mit einer außergewöhnlichen Kombination wirtschaftlicher und geopolitischer Verwerfungen konfrontiert: mit Krieg in der Ukraine und im Nahen Osten, einer Welle von Zahlungsausfällen in Volkswirtschaften mit niedrigem und mittlerem Einkommen, einem vom Immobilienmarkt ausgelösten Konjunktureinbruch in China sowie einem Anstieg der langfristigen globalen Zinssätze – und das alles vor dem Hintergrund einer sich verlangsamenden und brüchiger werdenden Weltwirtschaft.

Am meisten überraschte erfahrene Analysten jedoch, dass eine erwartete Katastrophe nicht eingetreten ist, zumindest noch nicht: nämlich eine Schuldenkrise in den Schwellenmärkten. Trotz der erheblichen Herausforderungen, die sich aus den steigenden Zinsen und der starken Aufwertung des US-Dollars ergeben, scheint keiner der großen Schwellenmärkte - darunter Mexiko, Brasilien, Indonesien, Vietnam, Südafrika und sogar die Türkei - in einer Schuldenkrise zu stecken, wie sowohl der IWF als auch die Zinsspreads zeigen.

Diese Situation stellt Wirtschaftsfachleute vor ein Rätsel. Wann wurden diese notorisch säumigen Schuldner zu Bastionen wirtschaftlicher Resilienz? Könnte es sich dabei lediglich um die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm handeln?

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